Welcome to my new life, my second life! I hope you will enjoy discovering China together with me!

Dienstag, 2. Dezember 2008

26.Oktober Aus Fassaden sind Gesichter mit einem Charakter geworden. Wenn ich an die ersten Tage denke, in denen ich hier an der Schule war, dann kamen mir alle Lehrer als die gleichen freundlichen, hilfsbereiten Menschen vor. Sie sahen alle sehr ähnlich für mein Empfinden aus und gaben sich auch alle in der gleichen Art und Weise so schien mir. Saßen wir an meinem Geburtstag mit den Lehrer zusammen, konnte ich am nächsten Tag nicht bestimmen, wer dort mit mir getrunken hat oder mir gegenüber saß. Aber mit der Zeit da lernt man erst den einen dann den anderen näher kennen. Einige fallen mir auf, weil sie mir bei dem Verständnis der chinesischen Sprache behilflich sind. Eine andere trägt ausgefallendere Kleidung. Die nächste ist immer sehr kopfgesteuert und auf eine makel- und spaßlose Erscheinung bedacht. Eine schreit immer laut umher, wenn sie spricht. Einer hat eine Zahnlücke. Einer raucht, zusammen mit der Zahnlücke sind sie die einzigen Raucher, nein Carl auch noch. Eine hat eine raue Stimme. Eine geht mit mir immer pinkeln, wenn gesoffen wird. Eine wohnt immer hier, auch an den Wochenenden und sie hat eine eineinhalbjährige, ganz entzückende Tochter. Dieses Kind hat aber nicht nur eine Mutter, sonder gleich fünfzehn und dazu noch mindestens fünf Väter! Und eine ist XX. Und eine ist religiös und sehr ruhig, aber deshalb nicht langweilig. Einer ist etwas beleibter und schaut grimmig drein, ist aber ein sehr lieber Kerl. Einer ist etwas beleibter und ein kleiner Strahleman. Und dann noch XX Mann, der Carl etwas suspekt war. Und dann findet man eine Freundin. Einige bekommen nun rote Augen, wie man hier zu neidvollen Menschen sagt. Dass erzählt natürlich auch viel über einen Menschen. Sie wollen alle unsere Freunde sein. Ich mag auch alle sehr gerne, aber mit einigen versteht man sich dann eben ein bisschen besser, als mit anderen. Jeder einzelne von den Menschen mit denen ich hier lebe, hat ein Aussehen bekommen. Gezeichnet durch den Charakter, Antipathie und Sympathie und Taten. Jeder dieser Menschen sieht für mich inzwischen so einzigartig aus, wie die Menschen in meiner Heimat. Sie sind hier meine Freunde meine Familie, ich lerne von ihnen und ich möchte keinen von ihnen missen. Gemeinsam prägen sie mich und mein Leben in China.

Ein Mensch kann ein kleines Herz haben, ein Mensch kann ein großes Herz haben.


Bei einer Hauseinweihungsparty:


Lisen, ein Englischlehrer von der Mittelschule in Fu Gong. Er ist leidenschaftlicher Steinesammler und präsentiert hier grade seinen neusten Fund.

Hier bin ich mit einer Lehrerin bei ihr zu hause in Liso- Tracht.

Das sind das niedlichste Kind, Ani, beides Kinder von Lehrer und ich, Anni.

Hier sind wir an einer Schule in der Nähe von Fu Gong, bei einem "Picknick":

Montag, 1. Dezember 2008

Heute ist ein ganz besonderer Dienstag: Heute ist der Ausflugstag! Mein Unterricht fällt aus, denn man hat sich vorzubereiten. Das Holz für die Feuer muss gesammelt und geschnürt werden, die Salatköpfe, Orangen und Reispackete wollen auf ihre Träger aufgeteilt werden. Die Bierkartons müssen auf den Tracktor geladen werden, so auch Stühlchen, Höckerchen und Tischchen. Dann ziehen wir los! Die Fahnenträger einer jeden Klasse, ihren Mitschülern vorne weg, die Lehrerinnen mit einem Schirmchen gegen die Sonne bewaffnet nebenher und die Herren fahren an unserem Aufzug mit den Motorrädern auf und ab. Auch ich trage einen ganz entzückenden Schirm, rosafarben mit weißem Rüschenrand. Ein Mädchen hatte ihn mir von Xiao gebracht, die hundert Meter hinter mir lief. Unser Ziel ist eine Art Strand am Rande des Nu Jiang. Dorthin gelangt man, wenn man nach einer Stunde Fußmarsch in der senkenden Sonne, von der Straße abbiegt und auf den schmalen Betonwasserfurchen der Reisfelder den Berg hinuterbalanciert. Dann kommt man auf dem untersten Feld an. Der Reis ist in diesem Jahr bereits geerntet. Deshalb bieten diese trockenen Felder die ideale Feuerstelle!? Ich hab mich gewundert, warum kein Flächenbrand ausbrach. Aber die Steine um die Feuer haben ihren Dienst wohl gut gemacht. Die Kinder kochen, holen Wasser, liegen in der Sonne, spielen an dem Strand, den es wirklich gibt und genießen diesen Tag. Das Lehrerpack, mich eingerechnet, hat sich die Schattenplätze unter den Bäumen gesichert und spielt nun an den Tischchen Spiele und betrinkt sich. Die Oberschulleiter aus Fu Gong kommen auch an und wollen Spaß haben. Ein entspannter Tag.
Auf dem Rückweg lerne ich von Xiao den Anfang eines Liso- Lieds und wir stellen fest, dass die Kinderlieder in China und Deutschland die gleichen sind, eben nur auf jeweils anderer Sprache.
Xiao Xiao he wo:

Am Samstag mittag werden die Schüler ins Wochenende entlassen. Jede Klasse steht in einer Reihe, alle Schüler anständig vor dem Flaggenmast, an dem die chinesische Flagge im Wind weht. Aber jetzt steht die Flaggenparade an. Übers Wochenende wird sie nicht sichtbar sein, erst am Montag wieder, wenn sie in der Parade hochgezogen wird. Ich stehe bei den Lehrer rum und gerate in eines dieser „wir wissen ein paar englische worte und du ein paar chinesische - Konversation“. Die junge Frau des Schulleiters kann ein paar Wörter und versteht noch mehr. Sie freut sich sehr, als ich ihr anbiete, ihren Wortschatz zu vergrößern. Als ich mitteile, dass ich heute in Fu Gong solche Schuhe kaufen will, wie sie welche hat, natürlich völlig ohne Hintergedanken, es bringt ja total Spaß mit Anpeng in der Gegend rum zu laufen, sagt sie, dass sie mir einen guten Laden zeigt und wir fahren los. Wunderbar! Während wir so durch die Stadt laufen, ich endlich mit trockenen Füßen (ich hatte ja nur diese Stoffschuhe und die Straßen sind vom Regen nass, was bedeutete auch meine Schuhe und Füße), erzählt sie mir von ihren zwei Zuhause. Das eine ist das Haus ihrer Mutter. Dort ist sie aufgewachsen. Allerdings sah es nicht immer so groß und gut gebaut aus wie heute. Man hatte in den Jahren an- und neubauen können. Ihre Mutter ist eine Geschäftsfrau, die mit Fleisch handelt. Sie hat fünf noch lebende Geschwister. Als sie, die Mutter, ein kleines Mädchen war, hatten ihre Eltern, die Bauern waren, viel zu wenig Geld für Kleidung, Medizin oder Ausbildung. Es sind also einmal zehn Geschwister gewesen, von denen vier gestorben sind. Ihr früher Tod ist auf die eben aufgezählten Mängel zurückzuführen. Xiaos Mutter kann auch heute nicht lesen oder schreiben und trotzdem läuft ihr Fleischhandel gut. Der dazugehörige Mann ist in diesem Jahr verstorben. Er war wahrscheinlich Alkoholkrank. Jedenfalls erzählte Xiao mir einmal, dass er viel zu viel getrunken hat und sein Körper deshalb kaputt ging. Von ihrem Vater kennt sie das Lied „Bella Ciao“, die chinesische Version. Es sei sein Lieblingslied gewesen. Ihr zweites Zuhause liegt ebenfalls in Fu Gong. Es ist das Haus der Eltern ihres Ehemanns. Xiao und Mu haben vor einem Jahr geheiratet, da war Xiao gerade 22 Jahre. Dieses zweite Zuhause ist ganz wunderbar! Mus Eltern sind zwei liebenwürdige alte Menschen, vom Leben gezeichnet. Der Opa, ja auf Liso heißt er auch Opa, wie bei uns, hat als Schneidezahn einen silbernen Bolzen im Mund und wenn er dann so freundlich lacht, dann sieht das sehr ulkig aus. Die Oma ist wunderschön! Aber leider hat sie irgendwas mit dem Magen und kann noch nicht mal mehr bis zur Kirche gehen, aber sie geht oft mit ihren langsamen Schritt in die Stadt, um irgendwas zu besorgen. Sie isst nur noch den Reisbrei und andere Kleinigkeiten. Wenn ich auf der Bank sitze und an einem ihrer gerösteten Maiskolben knabbere, dann spricht sie mit mir und will wissen, ob meine Mama mich anruft und wie alt meine Eltern und mein Bruder sind und ob ich meine Familie vermisse und ob ich denn auch eine Oma und einen Opa habe und ach, wie weit ich doch von zu hause weg sei! Und was bitte solle sie nur machen, sie kann kein englisch sprechen, wie soll sie denn nur mit mir reden? Leider spricht sie nur Liso, was heißt ich verstehe kein Wort von dem was sie sagt, denn die Worte sind nicht die des Hochchinesischen. Xiao und ihre Tanten müssen dann übersetzten. Auch der Opa würde gerne ein Gespräch mit mir führen, aber auch er spricht nur Liso. Ich habe mich geehrt gefühlt, als Xiao mir diese Worte von ihm übersetzte. Als erstes betritt man einen kleinen überdachten Hof. Hier werden die Speisen zubereitet, gekocht und gegessen. Rechts befindet sich die Feuerstelle. Ja hier wird noch über dem offenen Feuer gekocht. Drumherum stehen Hocker und Kochtöpfe und Kessen. Dahinter liegt der Hühnerstall, das heißt es stehen zwei Holzverschläge an der Mauer mit Hühnern drin. Geradeaus steht ein großer Holzklotz auf dem ein Brett liegt. Auf ihm wird Hackfleisch gehackt, Fleisch und Gemüse klein geschnitten, alles mit einem großen, schweren Hackebeil. Auf der linken Seite neben dem Hackklotz steht ein Schränkchen, in dem das Geschirr steht. Ach ja, einen Kühlschrank habe ich auch gesehen, allerdings im Wohnzimmer. Das eigentliche Haus liegt hinter der beschriebenen Szenerie. Außen, auf der Seite auf die man blickt, wenn man durch das Eingangstor tritt, führt eine Treppen in den zweiten Stock. Die Außentreppen sind hier der traditionelle Baustil. Xiao und Mu gefällt er nicht besonders. Für ihr Traumhaus, auf das sie sparen, wurde ich gebeten unser Haus aufzuzeichnen, mit Treppen innerhalb des Hauses, der Räume. Im ersten Stockwerk, das in Deutschland und auch nur in Deutschland Erdgeschoss heißt, befinden sich zwei Schlafzimmer, das Wohnzimmer, in dem der Fernseher ohne Unterbrechung läuft und ein Zimmer, das sowohl Waschküche und Gemüse- und Obstlager und Toilette und Dusche gleichzeitig ist. Die Dusche ist ein deutsches Fabrikat, wie ein Aufkleber stolz verkündet. Die Lebensmittel liegen auf der einen Seiten in Regalen, auf der anderen Seite steht die Waschmaschine. Die sehen hier anders aus: es ist eine offene Sache, die die Wäsche einfach nur ein bisschen im Wasser rumdreht. Dahinter ist ein gefließtes Loch im Boden, die Toilette. Darüber hängt die erwähnte Dusche, welche sehr gut funktionieren soll! Und der Boden ist bedeckt mit Plastikschüsseln und Metallschalen. Wenn es draußen heiß ist, herrscht hier drinnen eine angenehm feuchte Kühle. Durch das Fenster kann der Nachbar bequem reinschauen, denn die Verpackungen, sie einmal als Sichtschutz an die Scheiben gepappt wurden, hängen müde herunter. Im oberen Stockwerk sind weitere Schlafzimmer. So ein Schlafzimmer ist übrigens auch nicht uninteressant. Es ist bis an die Decke vollgestopft mit Zeug, das meiste sind Kleidungsstücke und andere Stoffsachen. Quer durch die Zimmer sind Leinen gespannt, auf denen auch Kleidung herunter hängt, man kann also nicht wirklich bis ans andere Zimmerende gucken. Das Zimmer von Xiao und Mu ist dagegen ziemlich „kahl“, dafür hängen an den Wänden Fotos der beiden an ihrem Hochzeitstag. Auf diesen Bildern erkannt man die zwei kaum wieder! Kitschig und gestellt, aber irgendwie sehr niedlich! Herrlich gemütlich ist dieses Zuhause, ich liebe es hier! Mu hat noch mindestens zwei Schwestern. Mindestens, weil man weiß ja nie, wer da noch so ankommen wird. Die beiden haben Kinder, die auch hier wohnen. Auf einem meiner Fotos kann man eine Tochter in ihrer Liso Kleidung sehen!An einem Nachmittag sitzen wir Frauen an dem kleinen Tisch in der „Küche“ und machen Jiaozi. Die kann man ungefähr mit Tortolini (wie schreibt man das?) vergleichen, nur dass sie viel aufregender sind und besser schmecken. In kleine, runder Teigfladen füllt man zum Beispiel etwas Hackfleisch mit Schnittlauch, faltet das ganze und drückt die Seiten so fest, dass sie nicht mehr aufgehen. Ich wurde während unserer Beschäftigung die ganze Zeit für meine hübschen Jiaozi gelobt. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht mit den Frauen um den Tisch zu sitzen und diese Dinger zu formen.





Heute haben wir zum ersten Mal die Kinder unterrichtet. Am Vormittag hatte ich die erste Klasse, mit sechzehn Schülern. Wir haben den Good- Morning- Song gesungen und mit den Zahlen angefangen. Die arme, arme Anni war noch so fertig vom gestrigen Abend. Ein Bubbi ist so niedlich, mit ihm werde ich nie böse sein können. (Ich merke erst später, dass die kurzen Haare mich aufs Glatteis geführt haben, der Bubbi ist ein Mädel). Und ein Mädchen hat sich immer getraut als erste etwas zu sagen und tat sich so mutig hervor. Ich bin mir sicher, dass sie später einmal eine selbstbewusste, impulsive Frau wird, die ganz genau weiß was sie will. Am Nachmittag habe ich einer meiner fünften Klassen. Insgesamt habe ich vier fünfte Klassen und die erste. Die älteren waren anfangs sehr viel verklemmter. Aber ich habe es geschafft, dass sie ihren Namen sagen, wenn ich sie frage wie sie heißen. Mir wurde von anderen, die bereits unterrichtet haben gesagt, wenn man mit Whats your name und my name is ... anfängt, dann heißen plötzlich alle Anni (wenn man seinen eigenen Namen als Beispiel anführt). Die gängige Unterrichtsmethode sieht wie folgt aus: Der Lehrer schreit etwas und die Schüler schreien nach. Ab und zu wird etwas abgeschrieben und auswendig gelernt. Der Lehrer, der jetzt draußen in der Sonne sitzt, lässt sich die Hefte bringen und während das Geschriebene korrigiert wird, steht der Schüler daneben und sagt ( brüllt) das gelernte aus voller Kehle. Während des Auswendiglernens wird auch gebrüllt, als würde es dadurch schneller in die Gehirnwindungen gepresst. Dementsprechend stelle man sich den Lärmpegel vor! Den ganzen Tag, von morgens um 7:00 Uhr bis abends um 21:00 Uhr. An Hanna und Janniks Schule warten die Schüler die meiste Zeit, dass der Lehrer vom Rauchen oder Telefonieren wieder zurückkommt. Sowas gibt es bei und nicht. Nur den Mathelehrer, der im Unterricht direkt im Raum raucht. Auch wird hier nicht jeden Abend gesoffen, wie bei den anderen beiden an der Schule. Nur manch eine Nacht wird von dem Brummen Anpengs Motorrad zerrissen, wenn er von seinen kleinen Saufkumpanen heimkehrt. Bevor Carl und ich hier her kamen, gab es nur die Unterrichtsfächer Chinesisch, Mathematik, Wissenschaft und Sport. Für das Fach Wissenschaft gibt es allerdings nur eine Lehrerin und bei vier fünften und vier sechsten Klassen, können das nicht allzuviele Stunden Wissenschaft in der Woche sein. Bei dieser Fächervielfalt wundert man sich da noch, warum die Chinesen alle so gut in Mathe sind? Die machen ja kaum anderes! Und Taschenrechner sind zu teuer, das ist ein versteckter Vorteil, denn dann rechnet man 1,5 / 3 *7 eben so im Kopf! Mit uns sind wir hier jetzt sechsundzwanzig Lehre. Und die Fächer Englisch und Kunst sind hinzugekommen. Nur werden wir anfangs kein Kunst Unterrichten, weil wir weder Stifte noch Papier noch Scheren, Klebe oder Pappe haben. Und Dinge aus Müll basteln wird unseren Mastern nicht gefallen, das sieht ja aus , als hätte man kein Geld für Bastelsachen! Ach was! Aber mit meiner ersten Klasse kann ich einigermaßen Kunstunterricht machen. Die Hälfte der Kinder hat bunte Filzstifte. Und wenn wir eine Schere brauchen, dann können wir uns mein Lillifee- Exemplar geradeso noch teilen. Dass die Kinder in die Schule zurückgekehrt sind wurde langsam höchste Zeit! Wir stehen sonst im Dreck. In jeder Pause wird gefegt und gefeudelt und aufgesammelt. Dann ist alles sehr sauber und aufgeräumt. Natürlich bedeutet sauber hier immer noch etwas anderes als in der Louisenstraße in Eckernförde! (Ein kleiner Nachtrag nachdem ich einen Monat hier bin: Mir kommt es wahrhaftig sauber vor!) Aber das Erstaunliche ist eigentlich, dass diese zehnjährigen wirklich den Dreck wegfegen und nicht einfach drüber wischen und das sie dies ohne zweite Aufforderung tun. Jaja, es sind schon gute Arbeitskräfte. Andauernd tragen sie einem Lehrer sein Handy oder seinen Schlüssel nach und als Anni einen dritten Tisch in ihrem Zimmer brauchte, trugen ihn zwei Schüler dire Stockwerke empor, genauso wie die Englischbücher.
Der Tisch:
5.Oktober, Sonntag

Der Tag vergeht, ohne Besonderheit. Gegen Abend kehren die Kinder zurück und der Unterricht fängt um 18:00 Uhr an. Carl und ich gucken einen Film bei mir, aber so gut wie ohne Ton, denn die Klasse neben an schreit mal wieder laut ihrem Lehrer nach.
Um 21:00 Uhr kriege ich eine Happy- Birthday-SMS von Anpeng. Und einen Anruf von der Dolmetscherin von Herrn Hahl, die mich fragt, ob der Schulleiter mir meine Geburtstagstorte schon überreicht hat. Nein ha er nicht. Dann solle ich ihm doch bitte noch etwas Zeit zum vorbereiten geben.
Eine Stunde später ruft Anpeng uns an, wir sollen ins Lehrerzimmer kommen.
Als ich eintrete erwartet mich eine Überraschung: Auf dem langen Tisch stehen eine riesige Sahnetorte und Bierflaschen und guazi. Es wird ein Ständchen gesungen und die Kerzen angezündet. Aber was für eine Kerze auf der Torte ist: Eine geschlossene Blüte, die sich unter dem Geduddel der Happy- Birthday- Melodie, ihre Blütenblätter öffnet, auf der jeweils eine weitere kleine Kerze stecken. Die Blumetöne konnten den ganzen Abend nicht mehr ausgestellt werden, bis Anpeng sie auf den Boden fallen ließ, wobei sie allerdings nur einen materiellen Schaden nahm, aber noch nicht vorgehabt hatte zu duddeln aufzuhören. Nein, erst als er versuchte sie zu reparieren, fing das gute Stück an zu stottern und irgendwann ganz auf zu spielen. Nachdem ich die Tortenstücke ausgeteilt habe, beginnt das Gesaufe. Alle möchten mir gratulieren und uns willkommen heißen. Jetzt trinkt man mit jedem dieser Gratulanten ein Gläschen auf Ex, da wird man schnell sehr betrunken. Dann beginnen sehr einfache Saufspiele, wie zum Beispiel „SchereSteinPapier“, der Verlierer muss exen. Oye, ich kann dir sagen...!
Nur noch dunkel erinnere ich mich wie mich die Frauen in mein Zimmer begleiten und Anpeng den Rest meiner Torte hinterherträgt. Heute sind alle sehr gaoxing! Übersetzt heißt das glücklich, aber gemeint ist, alle sind sehr betrunken!

(Der Tortenrest stand noch eine Woche in meinem Zimmer und die „Sahne“ hat sich geruchs- und geschmackstechnisch in keinsterweise verändert...)
Auf diesem Balkon halten wir Lehrer (hahah) uns auf . Das ist das niedlichste aller Kinder, mit riesen Augen ruft es mir immer "Hello" hinter her, manchnal auch "hello aunti", jüngere Menschen nennen ältere Menschen, die sie kennen Tante, bzw. Onkel, auch wenn man nicht verwandt ist.



Wir besuchen Jannik (ganz rechts am Bildrand) und Hanna in ihrer Schule. Man fährt dort nicht alleine hin, sondern mit anderen Lehrern von unserer Schule: In der Bildmitte ist Wang laoshi, unser Schulleiter. Laoshi bedeutet übrigens Lehrer. Ich bin Anni laoshi. Allerdings heißt wang laoshi jetzt Jonny! Bei einem Essen bat er uns um einen englischen Namen und ich taufte ihn Jonny. Dieser Name fiel mir spontan ein, doch wir merkten bald, dass er sehr gut zum Charakter von Jonny selber passt!

















Die la jiao, Chillischoten, hängen oft in Fenstern oder an Türeingängen. In Geschäften oft aus Stoff. In vielen Gemüsegerichten findet man dutzende dieser Schoten, wer will kann sie mitessen, aber auch die Chinesen legen sie lieber zur Seite. Wenn man sein Essen schärfen will, dann greift man lieber zu einer der Pasten, die aus einem Pulver mit Wasser angerührt sind. Hier wird meist schärfer gekocht als bei uns, aber es schmeckt trotzdem sehr gut und die Reichhaltigkeit übertrifft die deutsche Speisekarte bei weitem.

Auf dem untersten Bild ist der Nu Jiang zu sehen. Er ist einer der drei Parallelenflüsse.